Und ab geht’s nach Rio Grande do Sul

Nach 10 Tagen in Laguna erlaubte es uns das Wetterfenster der nächsten drei Tage den Törn nach Rio Grande do Sul in Angriff zu nehmen. Die Wettervorhersage bescherte uns nördliche Winde mit Windstärke 6 und Wellen mit einer Höhe bis zu 3 Metern. Am Freitag den 8.10.2021 lösten wir um 9 Uhr unsere Anker aus dem schlammigen Untergrund der Lagune und fuhren zwischen den beiden Molen entlang hinaus bis uns die Wellen des offenen Meer entgegen schwappten. Nach einer ruppigen Ausfahrt mussten wir zu Anfang mit wenig Wind motoren, aber es dauerte nicht so lange bis ich meinen Code Zero ausrollen konnte und mit 3 Knoten segeln konnte. Der Wind nahm jetzt kontinuierlich zu, am Nachmittag rollte ich bei 17 Knoten meinen Code Zero lieber ein, hißte das Groß im 2. Reff und setzte die Genua und ab ging die Post mit 6,5 kn rauschte ich die Küste entlang, die Mon Bijou wurde hinter mir immer kleiner und kleiner. Die ganze Nacht blies der Wind mit 22 bis 25 Knoten.
Als es hell wurde hatte konnte ich das AIS der Mon Bijou schon nicht mehr empfangen weil Tommi und Res 5 Seemeilen hinter mir waren. Hohe brechende Wellen und viel Wind begleiteten uns auch an diesem Tag, um 18 Uhr am Abend hatte ich nur noch schwachen Funkkontakt mit der Mon Bijou weil Sie schon über 10 Seemeilen entfernt war und um 21 Uhr konnte ich Res und Tommi über Funk nicht mehr erreichen. In dieser Nacht waren sehr viele Fischer unterwegs, sodass ich mich nicht traute meine Augen zu schließen.
In der Morgendämmerung näherte ich mich der Einfahrt vom Rio Grande do Sul, noch bevor ich die Einfahrt erreichte funkte mich über Kanal 16 eine Frauenstimme an und fragte wohin ich wollte, so gut es ging versuchte ich ihr in englisch zu erklären, dass ich zum Yachtclub von Rio Grande wollte. Die Wellen vor der Einfahrt wurden immer höher weshalb ich mein Großsegel so schnell wie möglich barg und in die mit Tonnen gekennzeichnete Einfahrt motorte, ausgerechnet jetzt kam mir ein dicker Tanker entgegen, direkt wurde ich von dem Lotsen angefunkt was ich denn mitten in der Einfahrt zu suchen hätte, ich antwortete, dass ich versuchen würde zu den Tonnen an meiner Steuerbordseite zu fahren und so ihm mehr Platz zu schaffen. Es war garnicht so leicht bei den hohen Wellen den Kat in den Griff zu bekommen und an den steuerbordseitigen Tonnenstrich zu steuern. Mit respektvollem Abstand passierte ich den Tanker und kam einige Zeit später zwischen den Molen der Einfahrt in ruhigeres Gewässer, jetzt konnte ich außerhalb der Tonneneinfahrt weiter in den Rio Grande motoren, es dauerte noch weitere zweieinhalb Stunden bis ich die 12 Seemeilen den Fluß hinauf den Yachtclub von Rio Grande erreichte. Bei über 20 kn Wind und starker Strömung lies ich Punkt 10 Uhr meinen Anker vor dem Steg des Museu Oceanigraphico fallen, sicherheitshalber gab ich bei einer Wassertiefe von 3 Meter, über 40 Meter Kette. Nach 2 Tagen hartes segeln und 2 Nächten fast ohne Schlaf, dauerte es nicht lange bis ich in meiner Koje einschlief. Als ich wieder wach wurde waren Tommi und Res gerade in der Einfahrt von Rio Grande angekommen, wegen der Ihnen entgegen kommenden starken Strömung brauchten Sie mit der Mon Bijou noch 3 Stunden bevor Sie neben mir um 16 Uhr ihren Anker fallen ließen. Natürlich fuhr ich mit meinem Dingi zu den Beiden rüber um Sie zu begrüßen und ein gemeinsames Ankerbierchen auf unsere erfolgreiche Ankunft in Rio Grande zu trinken. Bevor ich zurück auf der Que Mas in das Reich der Träume fiel, ließen wir bei einer leckeren Spaghetti Bolognese unseren Törn noch einmal Revue passieren.

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