Zweiter Törnteil nach Darwin

Bevor wir am Dienstag den 22. September von der Trafalgar Bay los starteten, hatten wir am Morgen noch die gestrige gewaschene Wäsche getrocknet und einige Liter Wasser mit dem Wassermacher produziert. Predict Wind prognostizierte unsere Ankunft in Darwin im Laufe des 25. September. Um 11 Uhr verließen wir den ruhigen Ankerplatz und richteten den Bug nach Darwin aus. Ich hatte die Idee downwind mit der Segelstellung Groß auf der Steuerbordseite und dem Genaker auf der Backbordseite zu segeln, doch das ging völlig in die Hose weil das Groß den Wind so verwirbelte, dass der Genaker nicht den Wind bekam um vernünftig im Wind zu stehen. Nach einigen Versuchen entschlossen wir uns das Groß zu bergen, damit wir danach den Genaker besser in den Wind stellen konnten. Ohne das Großsegel blähte sich das Leichtwindsegel tadellos auf und zog die Que Mas vor dem Wind mit 6 kn über das Wasser. Den Genaker alleine zu setzen war genau die richtige Entscheidung, kein klappern des Großbaums und kein Geflatter des Vorsegels, nur ein ruhiges gleiten vor den Wellen. Da der Kat mit der Windsteuerung des Autopilots alleine klar kam, konnte Chris die Ventile der Bilgenpumpen wieder gängig machen und ich die Backskiste der Heizung säubern. Zum Abendessen kochte Chris heute Bolognese wozu ich mir als Beilage Kartoffel wünschte und bekam. Die kommende Nacht brachte nichts außergewöhnliches außer das die Windrichtung sich ein wenig änderte und wir so etwas südlicher geschoben wurden. Bei meiner Morgenwache wurde es langsam Zeit das Boot weiter nördlicher auszurichten, dafür musste ich den Genaker von Steuerbord nach Backbord rüber ziehen, was mir downwind ohne größere Probleme gelang. Nach dem Frühstück fütterte ich die Brotbackmaschine mit Mehl, Backhefe, Salz und verschiedenen Körnern und backte ein rustilkales Vollkornbrot. Über den Tag wehte nur ein laues Lüftchen und so dümpelten wir mit knappen 5 Knoten über die Arafura See. Erst gegen Abend frischte der Wind wieder auf, so konnten wir mit 6,5 Knoten einem bildschönen Sonnenuntergang entgegen segeln. Zum Abendessen kochte unser Smutje Chris ein köstliches asiatisches Currygericht was mal wieder ausgezeichnet mundete. Bei meiner anschließenden Nachtwache frischte der Wind auf über 18 kn auf, mittlerweile hatten wir nach anderthalb Tagen die Hälfte der Strecke nach Darwin hinter uns, jetzt konnte mit ordentlichem Wind die restlichen 200 sm in Angriff genommen werden. Zwischenzeitlich ging der Wind bis zu 20 Knoten hoch, was den Genaker an seine Grenzen brachte, da er aber gehalten hatte und ich etwas durch abfallen den stärksten Druck aus dem Leichtwindsegel genommen hatte, konnte ich beruhigt Chris beim Nachtschichtwechsel mit dem Genaker weiter segeln lassen, so dachte ich. Doch wie so oft, falsch gedacht, als ich nach einem gesunden Schlaf zur Nachtwachenübernahme im Salon erschien, bekam ich von Chris die traurige Mitteilung, dass der Genaker die Gretsche gemacht hatte und gerissen war. Chris hatte versucht mich direkt zu wecken, doch ich muss so fest geschlafen haben, dass ich vom klopfen nicht wach wurde und er so alleine das Leichtwindsegel aus dem Wasser fischen musste. Da es 4 Uhr nachts war, kam erstmal nur die Genua mit Hilfsmotor zum Einsatz, erst bei Tageslicht konnten wir den Code Zero aufziehen um damit etwas zügiger weiter zu segeln. Vormittags trockneten wir die traurigen Reste des Genakers, damit er trocken verstaut werden konnte. So langsam kam Darwin Stück um Stück näher als wir in den Van Diemen Gulf einbogen hatten wir noch etwa 80 sm vor uns, der Van Diemen Gulf war berüchtigt für seine starke Strömung, da die lange Durchfahrt durch den Gulf ohne Gegenstrom für die Geschwindigkeit unserer Que Mas nicht zu vermeiden war, freuten wir uns schonmal über die 3 kn Strömung die uns in den Gulf einsog. Wegen der Riffe und dem flachen Wasser mussten wir jetzt achtsam navigieren. Etwa 25 sm vor Darwin erwischte es uns mit voller Wucht, 3 Knoten Strömung gegen uns, damit wir überhaupt vorwärts kamen, mussten beide Motoren mit 2000 Touren ackern. Als es am Freitagmorgen hell wurde, war es fast geschafft, jetzt waren es noch 10 sm bis zu der Ankerbucht Fannie Bay vor Darwin. Zwei Stunden später versenkten wir das Eisen in der Fannie Bay, wir waren in Darwin angekommen!

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