Sturm und hohe Wellen vor Brisbane

So, jetzt waren wir also am Mittwochmorgen den 15. Juli in Southport aufgeschlagen, eigentlich wollten wir noch nicht hier sein, denn ich hatte erst für den 21. Juli in der Rivergate Marina in Brisbane einen Liegeplatz gebucht. Doch die angekündigte Wetterlage zwang uns praktisch dazu so früh nach Southport zu gehen. Denn ab Southport konnte man über innere Wasserkanäle in „ruhigerem” Fahrwasser nach Brisbane gelangen und musste nicht bei stürmischen Wetter über das aufgewühlte Meer segeln. Das war aber nicht der einzige Grund, Chris hatte über das Internet einen Kompass für seine kommende Crew in einem Marinestore bestellt und wollte diesen hier in Southport abholen. Gesagt, getan, direkt am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg zur Southport Yachtclub Marina wo der Marinestore war. Tatsächlich war der Kompass dort und Chris war happy, dass er den Kompass endlich in den Händen hielt. Danach besorgten wir in der Australien Fair Mall von Southport noch einige benötigte Lebensmittel und fuhren dann wieder mit dem Dinghy zurück auf die Que Mas. Auf der Que Mas war uns aufgefallen, dass die Kompassrose meines Handpeilkompass ganz schief stand, nach einer kleinen Recherche im Netz erklärte sich der Schiefstand der Kompassrose. Es gibt drei verschiedene vorkalibrierte Kompassregionen, MN (Magnetisch Nord), ME (Magnetisch Äquator) und MS (Magnetisch Süd), Da wir jetzt im Süden waren und ich einen Handpeilkompass Magnetisch Nord hatte, war klar warum die Kompassrose schief stand. Jetzt war natürlich die Frage welche Region der neu erworbene Kompass von Chris hatte, da er ja eigentlich hauptsächlich auf der Nordhalbkugel in Europa genutzt werden sollte. Auf dem Kompass konnten wir anhand der Bezeichnungen nicht direkt erkennen für welche Region der neu erworbene Kompass ausgelegt war, nach längerem suchen entdeckte Chris auf der Rechnung die Bezeichnung MS also Magnetisch Süd, alles andere hätte mich hier im südlichen Australien auch gewundert. So sehr sich Chris auch über den Erhalt des neuen Kompasses gefreut hatte, am nächsten Tag musste er den Kompass wieder zurück bringen und bekam das Geld dafür zurück überwiesen, dem Verkäufer hatte das garnicht gefallen. Hier in Southport blieben wir noch bis einschließlich Samstag, es war zwar für Sonntag ziemlich viel Wind angesagt, aber da wir durch die inneren Kanäle bis Brisbane hochfahren wollten, dachten wir, dass der Wind hauptsächlich auf dem offenen Meer so stark sein würde und wir in der inneren Durchfahrt bis Brisbane nicht so stark davon betroffen wären, ja denkste, es sollte anders kommen. Schon das hochholen des Ankers in Southport war nicht einfach aber was danach folgen sollte, zog mir dann doch fast die Badelatschen aus. Am Anfang freuten wir uns ja noch über die 20 Knoten Rückenwind, doch während unserer Fahrt durch die inneren Wasserwege nahm der Wind und die Wellen immer mehr zu, im Durchschnitt bekamen wir 30 bis 35 Knoten Wind auf die Backen und wurden so mit der Strömung und dem Rückenwind mit 7,5 Knoten durch die Kanäle geschoben. In der Spitze waren es sogar mal 9,6 Knoten Speed und 46 Knoten starke Windböen. Damit die Que Mas von den Böen nicht auf die Markierungstonnen gedrückt wurde, musste ich höllisch aufpassen und immer genügend Abstand von den scharfkantigen Tonnen halten. Außerdem gab es auf unserer Durchfahrt zwei besonders haarige Stellen, zum einen ein Flachstück unter einem Meter Wassertiefe und eine Passage unter einem durchhängenden Stromkabel. Genau in dem Flachstück gab der Tiefenmesser seinen Geist auf und ich konnte ab da nicht mehr nach dem Echolot navigieren, jetzt musste ich mich voll auf die Tiefenangaben in der Karte und den Markierungstonnen der Fahrwasserwege verlassen. Das war dann auch eine besondere Schwierigkeit bei der Passage unter dem durchhängenden Stromkabel. Wahrscheinlich wären wir auf dem markierten Fahrwasser mit dem Mast am Stromkabel hängen geblieben, weshalb wir das Fahrwasser verlassen und nah an einem Strommast vorbei navigieren mussten um unfallfrei unter dem hängenden Kabel durchfahren zu können, ohne Tiefenmesser war das eine ganz schön kribbelige Angelegenheit. Doch glücklicherweise hatte das auch gepasst, jetzt hatten wir noch 13 sm bis zu unserem ausgewählten Ankerplatz Victoria Point hinter Cochiemuldo Island. Als wir dort nach viereinhalb Stunden Kanalfahrt ankamen machte uns der starke Wind beim ankern echt zu schaffen, mit den Motoren konnte ich den Kat nicht mehr mit dem Bug gegen den Wind halten und die ausgelassene Kette spannte sich erstmal quer unter der Que Mas durch bevor der Kat sich im Wind an der Ankerkette auspendelte und wir dann zügig den Hahnepot anschlagen konnten. Bei vier Meter Wassertiefe hingen wir jetzt sicher an 55 Meter ausgebrachter Ankerkette und hatten wirklich unser Ankerbier verdient. Chris hatte übrigens über eine Forecast App geschaut wie es sich mit dem Wind und der Welle auf dem offenen Meer vor Brisbane verhält, bis zu 10 Meter hohe Wellen und über 50 Knoten Wind, da Draußen möchtest Du jetzt wirklich nicht sein 😱!! Da das unangenehme Wetter noch anhielt und der Wind bis 30 und mehr Knoten weiter blies, blieben wir hier am Victoria Point noch einen Tag vor Anker und brachen am Dienstagmorgen für die restlichen 25 sm bis zur Rivergate Marina auf. Was für eine entspannte „Segelei” mit einer entspannten 12 Knoten Brise ging es mit der Genua und ein wenig Motorunterstützung in die Mündung des 344 km langen Brisbane River, wo an der Einfahrt die dicken Containerschiffe entladen werden. Natürlich musste das Anlegemanöver auf den Liegeplatz in der Rivergate Marina gut geplant werden, damit der Kat beim anlegen am Steg von der Strömung nicht zu stark versetzt wird. Wir kamen exakt bei Gezeitenstillstand an der Rivergate Marina um 16:30 Uhr bei wenig Wind an und so war das Anlegen für mich ein Kinderspiel. So, jetzt bleibe ich während den zwei Wochen, in denen Chris wichtige Dinge in Deutschland zu erledigen hat, hier in Brisbane und warte bis er wieder zurück ist, damit wir zusammen weiter die Ostküste Australiens in Richtung Darwin hoch segeln können. Obwohl ich vor einem halben Jahr schon mal für ein bis zwei Tage in Brisbane rein geschnuppert hatte (guckst Du), bin ich gespannt was mich hier noch erwartet. 😳

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