- Das Grab von Lancaster
- Chris der BalancekĂŒnstler
- Strand von Forbes Island
- Riesenmuschelfund đ
Wie letztens angekĂŒndigt, stand ich am Sonntag den 13. September um 5:30 Uhr auf, damit wir exakt um 6 Uhr im ersten DĂ€mmerungslicht den Anker heben und die 77 sm bis Night Island segeln konnten. Wieder hatten wir so guten Wind, dass wir Night Island eine Stunde vor Sonnenuntergang erreichten. Hier hinter Night Island war noch ein wenig Schwell und der Wind blies uns auch noch ordentlich um die Ohren. Die Nacht hier in Night Island war nicht unbedingt eine Offenbarung. Chris konnte wegen den schlagenden Wellen kaum ein Auge zumachen, ich bin in der Beziehung ja zum GlĂŒck ziemlich schmerzfrei und hatte tief und fest gepennt. Am nĂ€chsten Tag war unser angepeiltes Ziel Forbes Island, als wir um 7 Uhr los segelten, flog bei der Benutzung der Elektrowinsch immer die Sicherung raus und jedesmal stĂŒrzte die komplette Navigatiionselektronik ab. Der simple Grund war, dass wir die Lithiumbatterien zu leer genudelt hatten und deshalb die Sicherung immer wieder auslöste. In Richtung Forbes Island war die Segelei ganz schön heikel, man musste immer auf der Hut vor den Riffs sein, im Slalomstil steuerte ich die Que Mas um die Riffs und schaute stĂ€ndig auf den Tiefenmesser, nach 9 Stunden kamen wir am Nachmittag in der Bucht von Forbes Island an und ankerten zwischen zwei Riffs. Weil wir schon so frĂŒh an der Insel ankamen, schwang ich mich mit Chris zur Inselerkundung ins Dinghy. Da wir hier ganz alleine waren, fĂŒhlte man sich ein bisschen wie Robinson Crueso. Am Strand standen ein paar vereinzelte Palmen und mittendrin ein altes Grab von Frederick Lancaster, der als Seegurkenfischer auf der Insel mit seiner Frau und Kindern auf der Insel gelebt hatte und mit 56 Jahren 1912 verstorben war. Der Hauptbewohner der Insel waren inzwischen Termiten die sich mit ihren TermitenhĂŒgeln ĂŒber die ganze Insel ausgebreitet hatten. Damit wir schöne Fotos von der Insel und der Ankerbucht machen konnten, stapften wir einen kleinen HĂŒgel der Insel hoch. Auf dem RĂŒckweg versuchte Chris noch einer Palme eine Kokosnuss abzuknöpfen, was ihm aber trotz mehrer erfolgloser Versuche nicht gelang, die Kokosnuss wollte einfach nicht runterfallen đĄ. ZurĂŒck am Schiff genossen wir noch den Sundowner bevor Chris uns mal wieder was kochte. Auch am darauf folgendem Tag windete es wie die letzte Zeit mit 20 Knoten, zĂŒgig segelten wir mit vollem Tuch in Richtung der nĂ€chsten Insel Boydong Island, nachdem wir dort vor der Insel geankert hatten, wollten wir uns am Strand mal umschauen. Es war schon erschreckend wieviel PlastikmĂŒll auf der Insel angeschwemmt worden war. Vor allem Badelatschen in jeder Variation. FĂŒr sein gutes Gewissen sammelte Chris einige PlastikschraubverschlĂŒsse und anderen Kleinkram ein, leider Sisyphusarbeit. Ein Trost gab es, es wurden auch noch Dinge aus der Natur angeschwemmt, wie Holz und ganz ausgefallene riesige Muscheln, die man ganz selten zu Gesicht bekommt, wie zum Beispiel das nicht mehr ganz komplette GehĂ€use einer Nautilus. Nach einer Stunde beendeten wir unsere Strandexpedition und fuhren zurĂŒck zum Schiff. Die vorgelagerte Insel schĂŒtzte uns einigermaĂen vor dem Schwell aber nicht vor dem Wind, der auch in der Nacht unaufhörlich um die Que Mas pfiff. Genau mit diesem stetigen Passat ging es am nĂ€chsten Tag von Boydong Island weiter nordwĂ€rts in den 50 sm entfernten Escape River, in den wir weit rein fuhren um hinter dichten MangrovenbĂ€umen zu ankern. Was fĂŒr eine Wohltat!! Im Escape River war das Wasser spiegelglatt und hier vier Seemeilen von der KĂŒste entfernt, spĂŒrte man kaum noch was von dem starken Wind. Anfangs hatten wir den kompletten River fĂŒr uns, doch eine Stunde nach uns, ankerte noch ein groĂer Monohull in unserer NĂ€he. Trotzdem war es ruhig und friedlich, man konnte den Untergang der Sonne hinter den Mangroven sichtlich geniessen. Nach einer ruhigen Nacht ohne an den Rumpf schlagende Wellen und das pfeifen des Windes, machten wir uns vom Escape River auf, um an unseren nördlichsten Punkt von Australien zu segeln, Thursday Island. Nachdem wir auf der Fahrt vom Escape River nach Thursday Island mit RĂŒckenwind zwischen Festland und Albany Island durch den Albany Pass geschoben worden waren, erreichten wir das untere Ende der Torres StraĂe, jetzt waren es nur noch 15 sm bis wir um 15 Uhr zwischen Horn Island und Thursday Island den Ankern in schlammigen Boden fallen lassen konnten. An der Nordspitze Australiens angekommen, ist es mit den Tagestrips vorbei, am kommenden Samstag den 19. September haben wir dann den 5 bis 6 Tages- und Nachttörn bis Darwin vor der Brust. Ich werde dennĂ€chst berichten!



